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Meditieren in Nord-Thailand

Thailand ist noch immer ein tiefreligiöses Land, und es gibt wenige Orte in der Welt wo der Buddhismus noch so ins Alltagsleben der Menschen verwoben ist wie im Land des Lächelns. Meditation wurde hier seit Jahrtausenden praktiziert, und gewinnt auch weltweit an Popularität. Wenn Du dieses wünderschöne Meditationszentrum in Norufd-Thailand besuchst wirst Du nicht nur Thais, sondern Menschen aus aller Herren Länder treffen.

Wir haben diesen Ort zufällig entdeckt als wir mit unseren Motorrollern den Highway 1095 entlanggefahren sind. Auf der linken Straßenseite war ein Schild zu finden auf dem stand:

“Tamwua Forest Monastery Welcomes You To Practice Meditation Vipassana.”

Eindeutig von thailändischer Hand geschrieben.

Wir stoppten, sahen einander an und machten eine Kehrtwende um dem kleinen Pfad zu folgen der sich durch die schöne Berglandschaft schlängelte.

Und unsere Motorroller verlangsamten sich fast wie von selbst – die Atmosphäre hier war derart, dass wir es intuitiv für angemessen hielten langsam, gemächlich und ohne Eile zum Kloster zu fahren, und den kleinen Pfad entlangzufahren war an sich schon eine nahezu meditative Erfahrung.

Nach einigen Minuten erreichten wir die Pforte des Klosters, stellten unsere Motorroller ab und ein junger buddhistischer Mönch in der typischen orangefarbenen Robe begrüßte uns mit einem herzlichen Lächeln.

Er schien nicht besonders erpicht darauf uns in die Anlage zu führen, beantwortete uns jedoch jede unserer Fragen freudvoll, als ob sie ihn amüsieren würden.

“Wenn wir hier meditieren möchten, wann können wir anfangen?”

“Wenn ihr bereit seid”, antwortete der Mönch mit einem drolligen Lachen.

“Was brauchen wir wenn wir hier meditieren wollen?”

“Ich weiß auch nicht was ihr braucht, aber ich denke ihr habt es bereits.” und er schien seine eigene Antwort lustig zu finden.

“Wie lange können wir hier bleiben?”

Nun lachte er zuerst und antwortete dann: “Solang ihr wollt.”

“Nun, was verlangt ihr denn wenn wir hier bleiben wollen?”

“Ihr müsst meditieren wenn ihr hier seid.”

“Und wie müssen wir meditieren?”

“Probiert es aus, dann wisst ihr’s.”

Auch wenn seine Antworten teilweise etwas komisch waren, unser Interesse war geweckt, und die Atmosphäre an diesem Ort wirkte sehr entspannt, friedlich und beruhigend.

Das Kloster machte einen sehr geerdeten Eindruck, obwohl auch einige sehr abgespacete Figuren herumwanderten.

Einige Leute hier hatten eine tolle Energie und eine tolle, positive, ruhige Ausstrahlung, andere wirkten sehr still und in sich selbst befangen, einige waren recht plauderhaft und ein Typ hätte dringend mal wieder eine Dusche nehmen sollen, schien aber nicht an solch weltlichen Belangen interessiert.

Menschen aus den verschiedensten Ländern waren hier, ich würde sagen die eine Hälfte internationale Besucher, und die andere Hälfte Thais aus verschiedenen Provinzen Thailands.

Alle waren in weiß gekleidet und bewegten sich über die makellos gepflegten grünen Wiesen des Klosters, welches zwischen Hügelketten lag.

Für einen kurzen Augenblick dachte ich dass das ganze ein bisschen wie eine Sekte aussieht – zumindest äußerlich – all diese Leute auf die gleiche uniforme Art gekleidet, alle führten sie verschiedene Aufgaben aus um das Kloster in Gang zu halten: Blätter zusammenfegen, Blumen bewässern, Wäsche waschen, saubermachen, und so weiter.

Doch es war überhaupt nichts von dem psychologischen Druck da der in Sekten vorherrscht, keine Sozialkontrolle – im Gegenteil, manch ein Meditierender der auf der Suche nach einem “Guru” ist wird hier eher enttäuscht sein wie sehr man auf sich selbst gestellt ist hier.

Die Mönche hier haben eine sehr nonchalante Art des Unterrichtens, und sie gehen nicht sehr weit ins Detail darüber wie man “richtig” meditiert. Stattdessen erklären sie Dir ein paar einfache Grundlagen und sagen dass Du erstmal üben sollst, mit ein bisschen Frage & Antwort-Möglichkeiten während der Gruppenmeditationen.

Meine persönliche Lieblingsaktivität hier war die Walking Meditation – also gehende Meditation. Ein Grund dafür ist wohl dass Du dabei nicht komplett reglos stillsitzen musst – Dein Körper ist in Bewegung, und ich finde das ich (und ich glaube das gilt auch für die meisten anderen Menschen) bereits genug Zeit im Sitzen verbringe. Unser Lebensstil ist so sesshaft geworden – Computer, Bücher lesen, Fernsehen, Filme gucken – dabei sind unsere Körper doch eigentlich für Bewegung geschaffen.

Doch die Bewegung der gehenden Meditation ist eine sehr bewusste Bewegung, sehr langsam. Du bist Dir jedes Schrittes gewahr, und wenn Du Dich auf diese Weise in einer Gruppe bewegst versetzt das Deinen Geist schon teilweise von sich aus in einen meditativen Bewusstseinszustand. Dennoch fand ich es herausfordernd den Geist vollkommen still zu halten – denn es gibt so viel worauf man seine Aufmerksamkeit lenken kann, dass ich anfangs feststellte dass mein Geist noch mehr umherwanderte als während der sitzenden oder liegenden Meditation.

Bevor ich am Kloster ankam dachte ich dass der erste Tag der schwerste sein würde, und dass es mit jedem darauffolgenden Tag einfacher werden würde. Doch das genaue Gegenteil war der Fall. Der erste Tag war der einfachste, und mit jedem Tag wurde es schwieriger. Vielleicht liegt es auch daran dass am erste Tag alles noch neu und spannend ist, und je öfter man bereits den Tagesablauf hinter sich gebracht hat, desto verlockender wird es die Gedanken umherstreifen zu lassen.

Was die meisten Leute am wenigsten im Kloster mochten war das aufstehen um 5 Uhr morgens. Doch mir gefiel das sehr gut – auch wenn die Temperaturen erstaunlich kalt zu dieser Tageszeit sein können. Überhaupt nicht was man sich vorstellt wenn man an’s “tropische Thailand” denkt, doch im Februar herrscht in den Bergen Nordthailands ein anderes Klima als auf den Inseln Südthailands. Dennoch haben diese frühe, kalten Morgenstunden eine ganz eigene Schönheit, wenn die Bergwipfel im Nebel verschwinden und und ein neuer Tag zum Gesang der Vögel zum Leben erwacht.

Und wenn Du möchtest kannst Du dem Frühstücksteam beitreten. Konkret sieht das dann so aus: früher aufstehen und Gemüse schneiden oder andere Arbeiten in der Küche ausführen. Wir haben das gemacht und wurden belohnt mit… Nutella Toast! Niemals zuvor hat Nutella so gut geschmeckt. Das ist einer der schönen Dinge an Thailand – die Thais haben eine sehr entspannte und spielerische Einstellung zu den Dingen. Das Leben kann schließlich schon ernst genug sein. Ich fand dass in Deutschland viele Leute die Meditation praktizieren eine sehr ernste, fast schon ans Verbissene grenzende Einstellung praktizieren, und das fühlt sich so trocken an, als ob der “Saft des Lebens” fehlt. Die Leichtigkeit und Verspieltheit die bei den Thais so weit verbreitet ist, selbst (oder gerade erst recht) bei buddhistischen Mönchen die Vipassana Meditation praktizieren gefällt mir da viel besser.

Um 7 Uhr morgens trifft man sich dann gemeinsam in der Sala (der Hautphalle) und bietet den Mönchen Essen an, und anschließend kann jeder sein Frühstück genießen.

Anschließend wäscht jeder sein eigenes Geschirr und begibt sich zurück zur Sala für die erste gemeinsame Meditation. Danach hast Du Zeit zur freien Verfügung; Du kannst mit anderen Leuten hier plaudern, die Klosteranlage erkunden oder auch ein Nickerchen machen (umm… ich meine natürlich liegende Meditation üben 😉 ).

Um 10:30 bietest Du dann den Mönchen ihr Mittagessen an, und isst daraufhin auch selbst – was übrigens die letzte Mahlzeit des Tages sein wird. Denn es gibt kein Abendessen im Kloster. Mönche und Meditierende essen traditionell nichts mehr nach dem Mittagessen.

Anschließend hast Du wieder Freizeit bis um 13:00 Uhr, gefolgt von einer weiteren Gruppenmeditation, und daraufhin wieder Freizeit.

Um 16:00 Uhr ist es dann Zeit häusliche Pflichten zu erledigen – Fegen, Blätter sammeln, Wäsche waschen, und so weiter.

Anschließend hast Du wieder Zeit zum Entspannen. Um 18:00 Uhr treffen sich dann alle in der Dhamma Halle zum gemeinsamen beten. Die Gebete werden in der Pali Sprache rezitiert – ein Sanskrit-Derivat, und die Originalsprache in der die ältesten buddhistischen Schriften aufgezeichnet sind. Was, Du sprichst kein Pali? Keine Sorge. Du bekommst eine Art “Karaoke Version” der Gebete und kannst einfach die Klänge nachlesen und aussprechen.

Das mag ein bisschen sinnlos oder komisch sein – ein Gebet dass Du selbst nicht verstehst. Doch es kann eine wirklich schöne Erfahrung sein wenn Du gemeinsam mit so vielen anderen die alten Gebete rezitierst – der Klang verbindet.

Im Anschluss findet die letzte Meditation des Tages statt, und dann hast Du wieder Freizeit. Da es jedoch nur sehr spärliche Beleuchtung im Kloster hat, und es von Bergzügen umgeben ist, wird sich Dein Körper schnell an den Rhythmus der Natür gewöhnen und Du beginnst zu bemerken wie stark Du normalerweise durch künstliche Beleuchtung beeinflusst wirst. Denn wenn all die Lampen und Lichter nicht mehr da sind merkst Du: Du gehst früher zu Bett. Was ja durchaus seinen Vorteil hat, denn das macht es leichter um 5 Uhr mrogens aufzustehen.

Die Schlafquartiere befinden sich in Kutis, kleine Hütten die zwar schön, aber doch sehr spärlich ausgerichtet sind. Keine Betten, einfach nur Matten die Du auf den Boden legst und darauf schläfst Du. Männer und Frauen getrennt.

Das Meditieren in Nord-Thailand war eine tolle Erfahrung und hat meine Sichtweise auf’s Leben und meinen Umgang mit Gefühlen und Gedanken verfeinert. Jeder von uns trägt so sein Päckchen mit sich – und die Meditation hilft tatsächlich dabei mit solchen Altlasten entspannter umzugehen, und sie schließlich auch loszuwerden. Auch kann sie dabei helfen die Intuition zu schärfen – vielleicht weil man nicht so sehr darin befangen ist Dinge auf eine (die gewohnte) Art und Weise zu sehen und zu bewerten.

Dinge sehen wie sie sind, anstatt wie man denkt dass sie sind (oder sein sollten).

Ich würde nicht sagen dass es immer Spaß gemacht hat, denn manchmal war mir wirklich danach etwas anderes zu tun, oftmals ist es einfach langweilig gewesen – doch all das gehört mit dazu Dich selbst ein Stück besser kennenzulernen, und die positive Atmosphäre an diesem Ort bietet eine wundervolle und sichere Umgebung dafür.

Und Du wirst viele interessante Menschen treffen. Aus den Gesprächen mit anderen hier habe ich erfahren dass Menschen dieses Kloster in Nord-Thailand aus verschiedensten Gründen aufsuchen. Manche Leuten haben einen schmerzhaften Schicksalsschlag erlitten, manche sind emotional so aufgewühlt dass sie diesen Ort nutzen um emotional wieder auf festen Boden zu kommen. Manche Menschen fühlen sich unzufrieden mit ihren alten Lebensumständen und wollen herausfinden wie sie sich ändern können. Manche Menschen sind “esoterische Nomaden” die von einem spirituellen Zentrum zum nächsten reisen. Einige sind auf einer Reise durch Südostasien und haben schon viel gesehen und nutzen das Kloster damit sich die vielen Erfahrungen setzen können, reflektieren über Erlebtes und kommen hier einfach ein paar Tage zur Ruhe. Und wieder andere sind einfach neugierig und wollen herausfinden wie es ist ein paar Tage in einem buddhistischen Kloster zu meditieren.

Was auch immer Dein persönlicher Grund ist – wenn Du ein paar Tage oder Wochen Zeit hast, ein Besuch des buddhistischen Klosters in den Bergen von Nord-Thailand ist allemal eine spannende, und Deine Persönlichkeit bereichernde Erfahrung.

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